1. Voraussetzungen für die Gewährung des Altersentlastungsbetrages
Nach § 24a EStG wird der Altersentlastungsbetrag einem Stpfl. gewährt, der vor dem Beginn des Kj., in dem er sein Einkommen bezogen hat, das 64. Lebensjahr vollendet hat. Zur Berechnung des Lebensalters siehe » Fristen und Termine. Der Altersentlastungsbetrag ist ein Betrag von 40 % des » Arbeitslohn und der positiven Summe der Einkünfte, die nicht solche aus nichtselbstständiger Arbeit sind, höchstens jedoch insgesamt ein Betrag von 1 900 € für die Stpfl., die im Kj. 2004 das 64. Lebensjahr vollendet haben.
§ 24a EStG gewährt Stpfl. nach Vollendung des 64. Lebensjahres einen Altersentlastungsbetrag bei solchen Einkünften, die nicht wie Versorgungsbezüge z.B. von Beamten und Abgeordneten durch den Versorgungsfreibetrag (» Versorgungsbezüge, » Versorgungsfreibetrag) bzw. wie bestimmte Leibrenten durch die Besteuerung lediglich des Ertragsanteils begünstigt werden (» Besteuerung von Versorgungsleistungen, » Renten). Zu den begünstigten Einkünften, die deshalb bei der Bemessung des Altersentlastungsbetrages außer Betracht bleiben sollen, zählen (R 24a Abs. 1 und 2 EStR; H 24a [Berechnung des Altersentlastungsbetrages] EStH):
» Versorgungsbezüge. Zu diesen Versorgungsbezügen i.S.d. § 19 Abs. 2 EStG zählen auch sonstige Einkünfte nach § 22 Nr. 5 Satz 1 EStG, auf die § 19 Abs. 2 EStG wegen der Regelung des § 52 Abs. 34c EStG anzuwenden ist (» Besteuerung von Versorgungsleistungen; BMF vom 23.5.2007, LEXinform 5230720).
Einkünfte aus Leibrenten i.S.d. § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a EStG (» Renten). Zu den Leibrenten i.S.d. § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a EStG gehören auch sonstige Einkünfte nach § 22 Nr. 5 Satz 2 Buchst. a EStG (bis 31.12.2006: § 22 Nr. 5 Satz 2 EStG), auf die § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a EStG Anwendung findet (BMF vom 23.5.2007, a.a.O.);
Einkünfte i.S.d. § 22 Nr. 4 Satz 4 Buchst. b EStG (» Abgeordnetenbezüge);
Einkünfte i.S.d. § 22 Nr. 5 Satz 1 EStG, soweit § 52 Abs. 34c EStG anzuwenden ist. Es handelt sich dabei um Leistungen aus einem Pensionsfonds, wenn bereits vor dem 1.1.2002 laufende Versorgungsleistungen aus einer Unterstützungskasse oder auf Grund einer Versorgungszusage gewährt wurden und die Versorgungsverpflichtung zwischenzeitlich auf diesen Pensionsfonds übertragen wurde (» Besteuerung von Versorgungsleistungen);
Einkünfte i.S.d. § 22 Nr. 5 Satz 2 Buchst. a EStG. Es handelt sich um Leistungen aus einem Pensionsfonds, einer Pensionskasse oder einer Direktversicherung, soweit sie auf nicht gefördertem Kapital beruhen. Die der Leistung zu Grunde liegenden Versorgungszusage wurde nach dem 31.12.2004 erteilt (Neuzusage) und erfüllt die Voraussetzungen des § 10 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b EStG (» Vorsorgeaufwendungen/Altersvorsorgeaufwendungen). Die Besteuerung erfolgt in diesen Fällen nicht nach § 22 Nr. 5 EStG, sondern nach § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Doppelbuchst. aa EStG wie die Besteuerung einer Altersrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung (Besteuerung von Versorgungsleistungen).
§ 24a Satz 2 EStG wurde durch das JStG 2008 vom 20.12.2007 (BGBl I 2007, 3150) neu gefasst und ist ab dem Kj. 2008 anzuwenden.
Im Fall der Zusammenveranlagung von Ehegatten ist der Altersentlastungsbetrag jedem Ehegatten, der die altersmäßigen Voraussetzungen erfüllt, nach Maßgabe der von ihm bezogenen Einkünfte zu gewähren (H 24a [Altersentlastungsbetrag bei Ehegatten] EStH).
2. Übergangsregelung ab 2005
Der Altersentlastungsbetrag wurde 1975 eingeführt und soll bei der Besteuerung solcher Einkünfte einen Ausgleich schaffen, die nicht wie Versorgungsbezüge und Leibrenten begünstigt sind. Der Altersentlastungsbetrag verliert dann seine Rechtfertigung, wenn in der Endstufe der nachgelagerten Besteuerung i.S.d. AltEinkG vom 5.7.2004 (BGBl I 2004, 1427) die Renten und Versorgungsbezüge zu 100 % besteuert werden.
Nach § 24a EStG wird der Altersentlastungsbetrag, abgestuft über einen Zeitraum von 35 Jahren, im gleichen Maße wie der Anstieg des Besteuerungsanteils der Renten abgeschafft; der Höchstbetrag des Altersentlastungsbetrages von bisher jährlich 1 908 € wird über einen Zeitraum von 35 Jahren auf 0 € abgesenkt. Nach der Tabelle des § 24a EStG wird der Vomhundertsatz des Altersentlastungsbetrag sowie der Höchstbetrag in dem auf die Vollendung des 64. Lebensjahres folgenden Jahres ermittelt und bleibt dann auf Dauer unverändert. Auch hier gilt somit das Kohortenprinzip.
Das auf die Vollendung des 64. Lebensjahres folgende Kalenderjahr | Altersentlastungsbetrag | |
in % der Einkünfte | Höchstbetrag in € | |
2005 | 40,0 | 1 900 |
2006 | 38,4 | 1 824 |
2007 | 36,8 | 1 748 |
2023 | 13,6 | 646 |
2039 | 0,8 | 38 |
2040 | 0,0 | 0 |
Ab dem VZ 2009 sind nach § 2 Abs. 5b EStG Kapitalerträge nach § 32d Abs. 1 und § 43 Abs. 5 EStG (» Einkünfte aus Kapitalvermögen, » Abgeltungsteuer) nicht in die Einkünfte für die Berechnung des Altersentlastungsbetrages einzubeziehen.
Beispiel 1:
Ein lediger Stpfl. über 64 Jahre (Vollendung des 64. Lebensjahres im Kj. 2004), der einen Freibetrag i.S.d. § 32 EStG oder Kindergeld für ein Kind erhält, erzielt im VZ 2006 folgende Einkünfte:
Einkünfte aus § 13 EStG | 20 000 € |
Einkünfte aus § 15 EStG | ./. 61 000 € |
Einkünfte aus § 19 Abs. 1 Nr. 1 EStG | 40 000 € |
Der Arbeitslohn beträgt 40 920 €. |
Lösung 1:
Der » Gesamtbetrag der Einkünfte wird wie folgt ermittelt:
Summe der Einkünfte | ./. 1 000 € |
abzgl. Altersentlastungsbetrag nach § 24a EStG: 40 % des Arbeitslohns i.H.v. 40 920 € = 16 368 €, höchstens | ./. 1 900 € |
abzgl. Freibetrag nach § 13 Abs. 3 EStG | ./. 670 € |
abzgl. » Entlastungsbetrag für Alleinerziehende nach § 24b EStG | ./. 1 308 € |
Gesamtbetrag der Einkünfte | ./. 4 878 € |
Nach § 10d EStG ist Verlustabzug möglich. Der Altersentlastungsbetrag, der Freibetrag für Land- und Forstwirte und der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende werden bei der Ermittlung des Verlustabzugs nicht berücksichtigt (R 10d Abs. 1 EStR). Der Betrag der negativen Einkünfte, der bei der Ermittlung des Gesamtbetrags der Einkünfte nicht ausgeglichen wird, entspricht der negativen Summe der Einkünfte, hier 1 000 €.
Beispiel 2:
Die Eheleute Albert und Beate werden zusammen zur Einkommensteuer veranlagt. Albert hat im Kj. 2004, Beate im Kj. 2005 das 64. Lebensjahr vollendet.
Albert erzielt ab dem Kj. 2004 Versorgungsbezüge i.S.d. § 19 Abs. 2 Nr. 1 Buchst. a EStG i.H.v. 13 000 € und jährliche Einkünfte aus § 21 Abs. 1 EStG. Der monatliche Versorgungsbezug beträgt ab Januar 2005 jeweils 1 500 €, ab Januar 2006 jeweils 1 600 €. Die Einkünfte aus § 21 EStG betragen im Kj. 2005 1 500 €, im Kj. 2006 3 000 € und im Kj. 2007 6 000 €.
Beate erzielt im VZ 2005 und 2006 jeweils Arbeitslohn i.S.d. § 19 Abs. 1 Nr. 1 EStG i.H.v. 8 000 € und Einkünfte aus § 15 Abs. 1 EStG i.H.v. ./. 2 000 €. Ab Januar 2007 erhält sie, statt des Arbeitslohns i.S.d. § 19 Abs. 1 Nr. 1 EStG, monatliche Versorgungsbezüge i.S.d. § 19 Abs. 2 Nr. 1 Buchst. a EStG i.H.v. 800 €. Die Einkünfte aus § 15 EStG betragen ab dem VZ 2007 3 000 €.
Lösung 2:
Im Fall der Zusammenveranlagung von Ehegatten ist die Anwendung des Altersentlastungsbetrages für jeden Ehegatten gesondert zu prüfen (H 24a [Altersentlastungsbetrag bei Ehegatten] EStH).
Der Ehemann erhält ab dem VZ 2005, die Ehefrau ab dem VZ 2006 dem Grunde nach einen Altersentlastungsbetrag.
Erläuterungen | VZ 2005 | VZ 2006 | VZ 2007 | ||||
Ehemann | Ehefrau | Ehemann | Ehefrau | Ehemann | Ehefrau | ||
Ermittlung der Summe der Einkünfte des Ehemanns: Versorgungsbezüge: | |||||||
12 × 1 500 € | 18 000 € | ||||||
12 × 1 600 € | 19 200 € | 19 200 € | |||||
abzüglich Versorgungsfreibetrag: | |||||||
40 % von 18 000 € = 7 200 €, höchstens | ./. 3 000 € | ./. 3 000 € | ./. 3 000 € | ||||
Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag | ./. 900 € | ./. 900 € | ./. 900 € | ||||
abzüglich Werbungskostenpauschbetrag | ./. 102 € | ./. 102 € | ./. 102 € | ||||
Einkünfte § 19 Abs. 1 Nr. 2 EStG | 13 998 € | 15 198 € | 15 198 € | ||||
Einkünfte § 21 EStG | 1 500 € | 3 000 € | 6 000 € | ||||
Summe der Einkünfte Ehemann | 15 498 € | 18 198 € | 21 198 € | ||||
Ermittlung der Summe der Einkünfte der Ehefrau: | |||||||
Arbeitslohn | 8 000 € | ||||||
abzüglich Arbeitnehmer-Pauschbetrag | ./. 920 € | ||||||
Einkünfte § 19 Abs. 1 Nr. 1 EStG | 7 080 € | 7 080 € | |||||
Einkünfte § 15 EStG | ./. 2 000 € | ./. 2 000 € | 3 000 € | ||||
Versorgungsbezüge ab Januar 2007: | |||||||
12 × 800 € = | 9 600 € | ||||||
abzüglich Versorgungsfreibetrag: | |||||||
36,8 % von 9 600 € = | |||||||
3 533 €, höchstens | ./. 2 760 € | ||||||
Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag | ./. 828 € | ||||||
abzüglich Werbungskostenpauschbetrag | ./. 102 € | ||||||
Einkünfte § 19 Abs. 1 Nr. 2 EStG | 5 910 € | ||||||
Summe der Einkünfte Ehemann/Ehefrau | 15 498 € | 5 080 € | 18 198 € | 5 080 € | 21 198 € | 8 910 € | |
Altersentlastungsbetrag des Ehemanns: Nach der Tabelle des § 24a Satz 5 EStG beträgt der Altersentlastungsbetrag 40 % von | |||||||
2005: | 1 500 € = 600 €, höchstens 1 900 €. Versorgungsbezüge bleiben außer Ansatz. | ./. 600 € | |||||
2006: | 3 000 € = 1 200 €, höchstens 1 900 €. | ./. 1 200 € | |||||
2007: | 6 000 € = 2 400 €, höchstens 1 900 €. | ./. 1 900 € | |||||
Altersentlastungsbetrag der Ehefrau: Nach der Tabelle des § 24a Satz 5 EStG beträgt der Altersentlastungsbetrag 38,4 % von | |||||||
2006: | 8 000 € = 3 072 €, höchstens 1 824 €. | ./. 1 824 € | |||||
2007: | 3 000 € = 1 152 €, höchstens 1 824 €. | ./. 1 152 € | |||||
Zwischensumme | 14 898 € | 5 080 € | 16 998 € | 3 256 € | 19 298 € | 7 758 € | |
Gesamtbetrag der Einkünfte | 19 978 € | 20 254 € | 27 056 € | ||||
3. Verwandte Lexikonartikel
© Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart. Josef Schneider u.a., Finanz und Steuern, Band 16, Lexikon des Steuerrechts. 6. Auflage, www.schaeffer-poeschel.de
