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1. Definition von IAS/IFRS

Die europäischen »International Accounting Standards«, seit 2002 »International Financial Reporting Standards«, sind international vereinheitlichte Rechnungslegungsvorschriften auf EU-Ebene, die der zunehmenden Globalisierung des wirtschaftlichen Verkehrs Rechnung tragen sollen. Die damit zusammenhängenden Informationsbedürfnisse auf internationaler Ebene können durch einen allein nach nationalem Recht (in Deutschland nach 238 HGB) erstellten Jahresabschluss nicht befriedigt werden, weil damit eine internationale Vergleichbarkeit nicht gegeben ist. Als Vorbild dienten die »US-GAAP«, d.h. die amerikanischen Rechnungslegungsvorschriften (»US-Generally Accepted Accounting Principles«). Mittelfristig wird eine Vereinheitlichung dieser beiden Werke angestrebt.

2. Aufbau des Regelwerks

Das Regelwerk ist wie folgt aufgebaut:

  1. »Framework« mit den allgemeinen Rahmenbedingungen,

  2. einzelne »Standards«, die fortlaufend durchnummeriert sind und

  3. die »Interpretations«, die die Standards konkretisieren und ergänzen.

3. Anwendung des Regelwerks

Die Anwendung der IAS/IFRS ist für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1.1.2005 beginnen für solche Gesellschaften verpflichtend, deren Wertpapiere zu diesem Zeitpunkt in einem beliebigen Mitgliedsstaat der EU zum Handel zugelassen sind. Schon in der Vergangenheit mussten deutsche Firmen als Zugangsvoraussetzung zu internationalen Börsen einen entsprechenden internationalen Abschluss erstellen. So erstellten die deutschen Dax-30-Unternehmen bereits 2002 zu 33 % Abschlüsse nach US-GAAP und zu 64 % nach IAS/IFRS.

4. Vergleich zwischen HGB und IAS

Inhaltlich ergeben sich an vielen Stellen Unterschiede zur Rechnungslegung nach HGB, aber auch viele Gemeinsamkeiten zum nationalen Recht. So ändert sich auch nichts am System der Buchführung. Während das HGB Gläubigerschutz und Kapitalerhaltung bezweckt, dient nach den IAS/IFRS der Abschluss vorrangig den Investoren als Eigenkapitalgeber (sog. Stakeholder). Hinter diesem Interesse tritt z.B. das handelsrechtliche Vorsichtsprinzip zurück. Ein weiterer gravierender Unterschied war bis zum Inkrafttreten des Gesetzes zur Modernisierung des Bilanzrechts vom 25.5.2009 (» Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG), BGBl I 2009, 1102), dass auch das (umgekehrte) Maßgeblichkeitsprinzip (» Maßgeblichkeitsgrundsatz) nicht gilt, denn die Gewinnermittlung soll möglichst realistisch (»fair presentation«) und daher ohne steuerlichen Einfluss sein. Mit dem BilMoG geht auch eine Änderung des EStG einher. Durch die Streichung von § 5 Abs. 1 Satz 2 EStG wird der umgekehrte » Maßgeblichkeitsgrundsatz aufgehoben. Insoweit wurde das im Regierungsentwurf des BilMoG (BT-Drs. 16/12407) zum Ausdruck gebrachte Ziel, durch die Modernisierung des Bilanzrechts eine einfachere und kostengünstigere Alternative im Verhältnis zu den IFRS zu bieten, umgesetzt.

5. Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz

Mit dem am 29.5.2009 in Kraft getretenen Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG, BGBl I 2009, 1102) verfolgte der Gesetzgeber u.a. das Ziel, die Bilanzierung nach dem Handelsrecht im Verhältnis zu den IFRS in den Vordergrund zu rücken. So wird im Regierungsentwurf des BilMoG insbesondere das Ziel angeführt, »den Unternehmen – im Verhältnis zu den International Financial Reporting Standards (IFRS) […] – eine gleichwertige, aber einfachere kostengünstigere Alternative zu bieten«. Dabei sollten die Eckpunkte des Handelsbilanzsteuerrechts nicht aufgegeben werden. Damit sollte ein Wechsel zu den IFRS durch mittelständische Unternehmen vermieden werden. Mit dem BilMoG werden Änderungen zentraler Ansatz-, Bewertungs- und Konsolidierungsvorschriften umgesetzt.

6. Literaturhinweise

Heizmann, Einführung in die IAS/IFRS-Rechnungslegung – Zielsetzung, Anwendungsbereich und Konzeption, Steuer & Studium Beilage 1/2005; Völker-Lehmkuhl u.a., Erfüllung der Buchführungspflicht nach HGB durch IAS/IFRS, NWB Fach 17, 1957; Freidank u.a., Rechnungslegung nach dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG), Steuer & Studium 7/2009; Weinand u.a., Ergebnisse aus der Sicht des Mittelstands – Erreicht das BilMoG die Zielgruppe, BBK 9/2009.

7. Verwandte Lexikonartikel

» Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG)

» Maßgeblichkeitsgrundsatz

© Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart. Josef Schneider u.a., Finanz und Steuern, Band 16, Lexikon des Steuerrechts. 6. Auflage, www.schaeffer-poeschel.de

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Stand: 2009-10-01
Autor(en):
  • Martin Durm

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